Vorsorgekoloskopie

Warum Vorsorgekoloskopie?

"Ich habe keine Beschwerden, warum sollte ich zur Vorsorgekoloskopie gehen?"

Das Einzigartige an einer Vorsorgekoloskopie ist, dass Sie im Rahmen einer einzigen Untersuchung die Diagnose und gleichzeitig die Therapie von Polypen ermöglicht. Die erste Auswertung von 88.650 Vorsorgekoloskopien in Österreich zeigt, dass:

  1. jede/r dritte beschwerdefreie Österreicher/in ab dem 50ten Lebensjahr Polypen hat
  2. jede/r fünfte beschwerdefreie Österreicher/in ab dem 50ten Lebensjahr Adenome (Vorstufen vom Krebs) hat.

Das bedeutet, dass bei jedem/jeder fünften beschwerdefreien Österreicher und Österreicherin die Vorstufen vom Krebs (Adenome) problemlos mit einem kleinem endoskopischen Eingriff (Polypektomie) im Rahmen einer einzigen Untersuchung am selben Tag entfernt werden können, und somit der Darmkrebs verhindert werden kann.

Was ist Dickdarmkrebs?

Dickdarmpolyp
Abbildung: Dickdarmpolyp

Dickdarmkrebs ist ein bösartiger Tumor (Neubildung) im Dickdarm oder Enddarm. Die innere Wand der Darmes ist mit Schleimhaut und vielen Drüsen ausgestattet, die vielfältige Funktionen in der Verdauung übernehmen. Wenn diese Drüsenzellen entarten, so kann sich eine bösartige Wucherung (Tumor) entwickeln. Meist entsteht zunächst eine Erhebung der Darmschleimhaut (Polyp), der über einen jahrelangen Prozess zu einem Tumor entarten kann.

Die Polypen werden grob in hyperplastische Polypen (harmlos) und Adenome (neigen zur bösartigen Entartung) unterteilt. Polypen wachsen in der Regel sehr langsam und verursachen lange kaum Symptome. Die ersten Symptome wie zum Beispiel Blut im Stuhl sind dann meist ein Hinweis auf einen fortgeschrittenen Polyp/Darmkrebs, dessen Heilungschancen entsprechend schlechter sind. Darmkrebs in einem frühen Stadium hat, bei rechtzeitiger Erkennung und Entfernung, eine Heilungschance von 90%. Damit ist gemeint, dass der Patient in den nächsten fünf Jahren mit 90%er Wahrscheinlichkeit keinen Rückfall erleiden wird.

Ein Beispiel: Bei einem Patienten, der im Alter von 60 Jahren zur Vorsorgekoloskopie kommt, wird ein Adenom (entarteter Polyp) abgetragen. Durch das langsame Wachstum von Polypen, können wir davon ausgehen, dass sich dieser Polyp bereits vor 10 Jahren entwickelt hat und somit schon früher hätte entfernt werden können. Deswegen rettet gerade bei dieser Krebsform die rechtzeitige Vorsorge Leben.

Wer bekommt Darmkrebs?

Zwischen 2000 und 2009 erkrankten in etwa 20.000 Männer und 17.000 Frauen jährlich in Österreich an Krebs.

Davon waren im Jahr 2009 2.663 Männer und 1.405 Frauen Dickdarmkrebs-Neuerkrankungen. Dickdarmkrebs ist damit in Österreich die dritthäufigste Krebs-Neuerkrankung bei Männern und die zweithäufigste Krebs-Neuerkrankung bei Frauen.

Die Gründe für die Entstehung von Dickdarmkrebs sind nicht vollständig geklärt, jedoch zeigen Studien, dass die Ernährung, Tabak- und Alkoholkonsum, familiäre Vorbelastung und vor allem Übergewichtigkeit mit einem erhöhten Risiko einhergehen, an Darmkrebs zu erkranken.

Ein ganz wichtiger Faktor ist das Vorkommen von Darmpolypen oder Darmkrebs in Ihrer Familie. Vor einem Vorsorge-Termin bei Ihrem Arzt ist daher sehr wichtig etwas „Familienkrankengeschichte“ einzuholen, damit sich Ihr Arzt ein besseres Bild über mögliche Risikofaktoren machen kann.

Wie geht eine Koloskopie (Darmspiegelung) vor sich?

Der erste Schritt ist der Termin bei einem Facharzt, der sie über das genaue Vorgehen aufklärt und Ihnen – wenn angezeigt – einen Termin zur Vorsorgekoloskopie gibt. Ganz wichtig ist hierbei Ihre Vorbereitung zuhause. Darunter versteht man die vollständige Entleerung des Darmes (Sie bekommen dazu ein Medikament verschrieben), damit Ihr Arzt auch die Gesamtheit Ihrer Darmschleimhaut beurteilen kann.

Bei der Darmspiegelung selbst wird ein flexibler Schlauch (Koloskop), der eine Kamera enthält in den Darm des Patienten eingeführt und auf einem Monitor genau die Schleimhaut des Darmes betrachtet. Polypen können mit dem Koloskop im selben Untersuchungsgang sofort entfernt und zur genauen Analyse des Gewebes in ein histopathologisches Labor geschickt werden.

Wer sollte zur Vorsorgekoloskopie gehen?

Ab dem 40ten Lebensjahr

  • Sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin bzw. Hausarzt über Vorsorgeuntersuchungen
  • Sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin bzw. Hausarzt über den jährlichen Occulttest (Untersuchung auf Blut im Stuhl, die auch zuhause durchgeführt werden kann)

Ab dem 50ten Lebensjahr

  • Empfehlen wir eine Vorsorgekoloskopie im Abstand von sieben bis zehn Jahren

Ausnahme stellen Famillienangehörige von Patientinnen und Patienten mit Darmkrebs dar. Diese sollten bereits mit 40 Jahren zur Vorsorgekoloskopie gehen, bzw. 10 Jahre vor dem Erkrankungsalter der Angehörigen.

Diese Empfehlungen richten sich nicht an Patienten mit familliären Darmkrebssyndromen, diese sollten in spezialisierten Zentren abgeklärt und behandelt werden.

Warum eine/ein zertifizierte/r Ärztin bzw. Arzt? (Liste aller zertifizierten Ärztinnen und Ärzte)

Qualifiziertes Personal
Die Qualität der Fachärztin oder des Facharztes hängt eng mit der erworbenen Erfahrung zusammen. Das Qualitätszertifikat geht daher nur an jene Stellen, die mindestens 100 Koloskopien jährlich durchführen.

Polypektomie in einem Untersuchungsgang
Die zertifizierten Stellen können einen Darmpolyp, wenn er im Rahmen der Koloskopie entdeckt wird, sofort abtragen. Sie müssen sich nicht nochmals einer Koloskopie unterziehen.

»Waschmaschine« zur Gerätedesinfektion

Wie bei allen Untersuchungen ist auch bei der Koloskopie die Hygiene ein wesentliches Kriterium. Die zertifizierten Stellen verfügen zur Säuberung und Desinfektion der Koloskopie-Geräte über eine so genannte »Waschmaschine«.

Regelmäßige Hygienekontrollen

Alle ZertifikatsinhaberInnen sind verpflichtet, eine jährliche Überprüfung der Hygienequalität nach adäquatem Standard vorzunehmen.

Kreislaufüberwachung und Notfallausrüstung

Die ZertifikatsinhaberInnen ist verpflichtet, Ihren Zustand während der Untersuchung laufend zu überwachen und für den Bedarfsfall eine Notfallausrüstung bereit zu haben.

Beratungsgespräch

Die zertifizierten Ärztinnen und Ärzte ist verpflichtet, Ihnen die standardisierte Patienteninformation gemeinsam mit dem Rezept oder den Arzneimitteln für die Darmvorbereitung spätestens 24 Stunden vor der Koloskopie auszuhändigen. Darüber hinaus werden in einem Aufklärungsgespräch eine genaue Instruktion zur Durchführung der Darmreinigung gegeben und noch eventuell offene Fragen geklärt.

Angebot einer Prämedikation (»sanfte Koloskopie«)

Die Zertifikatsinhaberin bzw. Zertifikatsinhaber ist verpflichtet, den Patientinnen und Patienten eine Prämedikation anzubieten. Sie können aber auch entscheiden, auf eine Prämedikation zu verzichten.

Komplette Video-Koloskopie

Alle zertifizierten Ärztinnen und Ärzte führen eine vollständige Video-Koloskopie durch.

Nachbetreuung

Der Zertifikatsinhaber ist verpflichtet, die Patientinnen und Patienten während der gesamten Untersuchung bis zur Entlassung aus der ärztlichen Obsorge zu beobachten und zu betreuen.

EDV-Dokumentation

Zertifizierte Stellen sind zur Datenerfassung und Dokumentation verpflichtet

Ist die Koloskopie schmerzhaft?

Die neuen Koloskopie sind sehr biegsam und dünn, zudem ist es bei jeder Koloskopie möglich, dass Sie eine „Spritze zum Schlafen und gegen die ev. auftretenden Schmerzen“ bereits zu Beginn der Untersuchung bekommen und die Koloskopie für Sie somit „sanft“ ist. Daher bieten alle bei uns zertifizierten Ärztinnen und Ärzte eine sogenannte „sanfte“ Koloskopie an. Durch eine „Sedoanalgesie“ spüren sie die Untersuchung dann nicht mehr.

Die hier gebrachten Inhalte dienen lediglich einer ersten Information. Bitte besprechen Sie etwaige Unklarheiten und Fragen auf jeden Fall mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Weitere Information finden Sie in den Broschüren „Darmkrebs“ und „Darmkrebsvorsorge“ der Österreichischen Krebshilfe.